„Hall of Fame“ ohne Täve !

 

Angesichts der gebrochenen, mit vielen dunklen Flecken beschmutzten jüngeren deutschen Geschichte kann man über den Stellenwert, gar über die Existenzberechtigung einer Hall of Fame des Sports hier zu Lande trefflich streiten.

Ebenso über die personelle Zusammensetzung der Auswahljury, wobei man nun nicht immer den gleichen ideologischen Popanz ausgucken muss.

Aber auch künftig dürfen die Kandidaten nicht ausschließlich an ihren sportlichen Meriten gemessen werden. Eine Prise mehr an so altmodischen Persönlichkeitswerten wie Charakterstärke, Toleranz, moralische Integrität muss es schon sein. Wie bisher (!)

Kollege Ernst Podeswa beklagt nun im„Sportjournalist“ 1/12 umfangreich die Nichtberücksichtigung von Gustav Adolf Schur. Die Hasstiraden gegen die DDR-Dopingopfer hätte er sich allerdings sparen können.

Täve, großartiger Vorzeigeathlet der Fünfziger und Sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, war seinerzeit auch mein Jugendidol. Den Respekt vor Schurs sportlichen Leistungen habe ich mir bis heute bewahrt, die Sympathien allerdings sind aus naheliegenden Gründen verschwunden.

Pünktlich zum 80. Geburtstag hat Schur (wieder einmal) sein Leben beschreiben lassen. Wieder (wie bisher immer) hat er es Dr. Klaus Ullrich Huhn (83) gestattet, den Griffel zu führen. Einem Urgestein der entschwundenen DDR, ideologischem Betonkopf. Einst gefürchteter Vorsteher der DDR-Sportjournalisten, emsig tätig auch als „IM Heinz Mohr“ der Stasi. Das (Mach)Werk des Autorenkollektivs ist dementsprechend ausgefallen. Dumpf, verklemmt, menschenverachtend. Verleumdung, Geschichtsklitterung pur.

Einige Beispiele von Dutzenden:

Seite 106:Olympische Spiele Melbourne 1956 Zitat: Alles deutete auf ein rauschendes Olympisches Fest hin, als plötzlich Unfrieden die Welt bedrohte. In Ungarn warensowjetische Truppen einmarschiert und bereiteten dem M o r d e n  konterrevolutionärer Truppen ein Ende.

Seite 142:

Behauptung: Bundestag stimmt für den Ü b e r f a l l  auf Jugoslawien. Seite 17:Vergleich des Nato Engagements im Kosovo mit der Gleiwitz-Provokation Nazi-Deutschlands 1939.

Natürlich waren alle DDR-Athleten „clean“, gedopt wurde nur in der „BRD“. Klare Sache, dass auch (fast) alle im Buch aufgeführten Westdeutschen als brutal, dämlich und egoistisch beschrieben werden. Usw. usw.

Gleiche „Qualität“ besitzt übrigens der Nachläufer, den das Gespann abgeliefert hat („Der Ruhm und ich“).

Wer sich – wie Schur – derart hinauslehnt oder sich als doloses Werkzeugmissbrauchen lässt, muss sich auf Gegenwind einrichten. Da ist es auch wenighilfreich, dass Dr. Huhn in einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 25. November 2011 seinem Freund Schur den Intelligenzquotienten eines Einfaltspinsels  bescheinigt und sich damit brüstet, ihm die Reden für den Bundestag geschrieben zu haben.

Resumee: Gustav Adolf Schur hat seinen Anspruch auf einen Platz in der Ruhmes-Halle verwirkt. Der Respekt vor der sportlichen Lebensleistung eines großen Pedaleurs bleibt. Beides wird er ertragen.

Friedrich-Karl Brauns
Jahrgang 1937,
DDR-Insasse vom 7.10.1949 bis Anfang 1956.
Abitur, anschließend Einsätze in der sozialistischen Produktion. - FDJ. Abzeichen für gutes Wissen (in Silber).
Von 1962 bis zur Pensionierung 2001 als Journalist für die ARD und den SFB tätig.
Umfang der Stasi-Opferakte bisher rd. 1.100 S.

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